Baumann/Koek

von Jarre bis Schiller
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spooky
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Baumann/Koek

Beitrag von spooky » Do 11. Aug 2016, 09:54

„Baumann/Koek“ ist ein weiteres bislang unentdecktes
Kleinod deutscher elektronischer Musik und das einzige Album der beiden
Kemptner Elektronikmusiker Wolfgang Baumann und Ata Koek. Es wurde
abgemischt im Studio von Conny Plank und erschien 1978 ohne Label im
Eigenvertrieb. Die Musik ist der Berliner Schule verhaftet: übereinandergeschichtete
Sequenzer-Patterns, wabernde Akkordteppiche, manchmal
ein Computerbeat. Angedeutete orientalische Musikelemente verleihen
„Baumann/Koek“ besonderen Charme. Erstmals auf CD!


Hartnäckig hält sich das Gerücht, bei dem Album „Baumann/Koek“ handele
es sich um ein Projekt von Tangerine Dreams Peter Baumann. Sicher, die
Musik legt den Verdacht nahe, und den Songtitel „TD-Mem“ könnte man
auch als Hinweis auffassen. Aber es ist und bleibt ein Gerücht, an dem
nichts Wahres ist. Tatsächlich handelt es sich um den 1950 in Kempten
geborenen Wolfgang Baumann und seinen 1956 in Istanbul geborenen
Freund Ata Koek (eigentlich Köktürk).
Mit 15 Jahren lernte Wolfgang Baumann Heimorgel spielen. Etwa zehn
Jahre später war er gelangweilt von den immer gleichen Klangvariationen,
die ihm das Instrument bot. Spontan verkaufte er es, denn sein Freund Ata
und er hatten sich vorgenommen, neue Töne und Musikstrukturen zu
erforschen – und zwar mit einem Synthesizer. Sie fuhren eigens von
Kempten nach Bonn, um sich im legendären Synthesizerstudio Bonn einen
gebrauchten ARP 2600 zu kaufen. Sie merkten aber bald, dass sie mehr
Geräte brauchten, um die Art Musik zu machen, die ihnen vorschwebte. So
kamen im Lauf der Zeit noch ein ARP-Sequenzer, ein Solina-String-
Keyboard und ein EKO-Compurhythm-Drumcomputer dazu. Als zum
Schluss noch das Vierspurgerät angeschafft war, ging es ans Aufnehmen.
Da sie keine Plattenfirma hatten, mussten sie die Produktion aus eigener
Tasche finanzieren. Alle Tracks wurden zu Hause mit dem Vierspurgerät
aufgenommen. Fürs Abmischen leisteten sich die beiden das Studio von
Conny Plank.
Das Album kam gut an, und so übernahm die Pressung und den
weltweiten Vertrieb von weiteren 5000 Exemplaren der schwäbische
Plattengroßhandel Jaguar Records. Besonders in Japan mochte man die
Platte. Dort lief sie sogar im Radio. Doch Jaguar Records meldete bald
darauf Konkurs an, und Baumann und Koek wollten nicht noch mal ein
finanzielles Risiko eingehen. So blieb es bei diesem einen Album.
Die Musik darauf ist klar der Berliner Schule verhaftet: Sequenzer-Patterns,
wabernde, meist in Moll gehaltene Akkordteppiche und manchmal
ein unterlegter Computerbeat erzeugen einen starken hypnotischen Sog.
Wodurch sich die Musik von vergleichbaren Produktionen abhebt, sind die
fast unmerklich eingearbeiteten Einflüsse arabischer Tonalität, mit der Ata
Koek ganz bewusst der Musik einen, wenn auch schwach ausgeprägten,
„orientalischen“ Stempel aufdrückte. Was Baumann und Koek als Mangel
empfunden haben – das „bescheidene“ Equipment –, kommt der Musik
zugute. Die Stücke wirken roher, klarer, ungeschliffener und sprechen den
Hörer dadurch viel unmittelbarer an als die Bombastproduktionen, die
Tangerine Dream, Klaus Schulze und Co. zu der Zeit vorlegten.

Quelle: http://www.bureau-b.com/

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