CD 8: Ballett 3

Antworten
Benutzeravatar
The Bishop
Beiträge: 921
Registriert: Mo 17. Jan 2011, 13:15
Wohnort: Berlin

CD 8: Ballett 3

Beitrag von The Bishop » Mo 12. Mär 2012, 16:53

Ballett 3
8-01 Klaus Schulze – My Ty She 75:40
"Wenn einer absolut keine Ahnung hat - einfach mal die Fresse halten!" Dieter Nuhr

spooky
Beiträge: 494
Registriert: Fr 18. Feb 2011, 21:41

Re: CD 8: Ballett 3

Beitrag von spooky » Do 28. Mär 2013, 10:38

Schöner meditativer Track der auch in dieser enormen Länge nicht langweilig wird.
Klaus hält sich dezent zurück und läßt den bekannten Gastmusikern mit Cello, Oboe,
Violine, Flöte und Gesang den Vortritt, die zu Schulzes Sequenzerlauf und Rhythmus-
strukturen prima improvisieren können. Höre hier deutliche Parallelen zum aktuellen
Album Shadowlands...

ambient
Beiträge: 363
Registriert: Fr 18. Feb 2011, 16:03
Wohnort: Viersen

Re: CD 8: Ballett 3

Beitrag von ambient » Fr 19. Apr 2013, 19:12

Klaus Schulze Spricht über „Ballett 3“ Diggi Pack Nr. 088

Über das „Ballett“ habe ich ja schon einiges erzählt (siehe die Booklets der Cds 86 und 87 dieser Edition), zum Beispiel, dass ich sie für meine Mutter geschrieben habe, die Tänzerin war. Ich habe sie allerdings selbst nie tanzen gesehen; das war vor meiner Zeit. Sie hatte sogar in der Mäiländer „Scala“ getanzt, sie war eine richtige Primaballerina: Aber als sie mit 19 Jahren meinen Vater heiratete, verlangte er, dass sie mit dem Tanzen aufhört. Das war halt noch eine Generation, in der Männer darauf bestanden, dass sich die Frauen um Heim und Herd kümmern. Und mein Vater stand wohl auch auf dem Standpunkt: Das ist meine Frau, und ich will nicht , dass sie jemand auf der Bühne herumspringen sieht. In dem Punkt dachte mein alter Herr sehr traditionell. Außerdem kam 1944 mein Bruder zur Welt; das heißt, mit 21 Jahren war sie schwanger und musste schon deshalb mit dem Tanzen erst einmal aufhören. Drei Jahre später bekam sie mich; da war es mit dem Tanzen endgültig vorbei, weil sie sich um uns Kinder gekümmert hat.
Aber obwohl meine Mutter dann selber nicht mehr aktiv getanzt hat, hat sie mir das klassische Ballett nahe gebracht. Sie hat immer gesagt, schau dir das mal an ! Und als ich später mit Elisa Monte und ihrer New Yorker Dance Company gearbeitet habe, hat sie mir den Unterschied zwischen klassischem Spitzentanz und Ausdruckstanz erklärt, natürlich immer mit dem Unterton:“Also, unsere Zehen waren damals noch blutig!“ (Anmerkung:Die Schulze-Stücke“Death of an analogue“ vom Album“Dig it (1980, CD 13 dieser Edition) und „Spielglocken“ vom Album“Audenity“ (1983, CD 15 dieser Edition) wurden von Elisa Monte für Ballett-Produktionen verwendet. Zwei im Oktober 1987 aufgenommene Versionen eines unbetitelten Stücks konnten nicht verwendet werden, da Schulzes Tape zu spät in New York eintraf. Anfang Febuar 1988 war Schulze Ehrengast einer New Yorker Ballett-Premiere der Elisa Monte Dance Company, bei der seine Musik verwendet wurde.) Meiner Mutter hat das großen Spaß gemacht, und ich habe von ihr auf diese Weise viel über Ballett gelernt. Ich kann aber nicht behaupten, dass es mich jemals besonders gereizt hätte, für Ballett-Aufführungen zu komponieren. Ich bin ja auch als Live-Musiker nicht der Typ, der auf der Bühne außer der Musik noch viel anderes präsentiert; mit wenigen Ausnahmen wie die „Stahlsinfonie“ auf der „Ars Electronica“ in Österreich (Linz 8. September 1980; siehe in dieser Edition die „Dig it“ – Bonus DVD) gibt es bei mir nicht solche Spektakel wie zum Beispiel bei dem Kollegen (Jean Michel) Jarre. Auch die Light-Shows sind bei mir nicht so gigantisch. Nicht, dass ich keine Lust hätte, so was mal zu machen – aber wenn, dann müssten die Light-Shows von Jarre oder Pink Floyd dagegen wie Taschenlampen aussehen. Da diese Umsetzung aber einen unheimlichen aufwand bedeuten würde, den ich mir nicht antun will, lasse ich es lieber und konzentriere mich voll auf die Musik.
Auf dem „Ballett 3“ spielen auch wieder traditionelle Instrumentalisten wie (Violonist/Flötist Thomas) Kagermann, (Wolfgang)Tiepold oder Tobi (Tobias Becker). Klar, ich hätte zum Beispiel die Oboe von Tobi auch über einen Sampler spielen können, genau wie Tiepolds Cello; aber wenn die Instrumente live gespielt werden, ist es für mich schon etwas anderes, weil es mit meiner Elektronik eine wunderschöne Wechselwirkung ergibt. Denn man hat dann ja nicht nur die Instrumente, sondern auch das Ego der Musiker. Würde ich ein Cello-Sample spielen, dann auf die Art, wie ich Keyboards spiele. Aber ein Cellist oder Oboist spielt halt nicht auf einem Keyboard, sondern auf dem „richtigen“ Instument – mit all den Feinheiten, die das mit sich bringt und die ein Sample nie wiedergeben kann. Der reine Klang eines Instruments ist ja nicht das Entscheidende, es kommt auf die Persönlichkeit des Musikers an; sie bestimmt den Charakter der Musik.
Der Bonustrack“Schauer der Vorwelt“ ist für meine Verhältnisse sehr kurz; aber ein längeres Stück passte nicht mehr auf diese CD. Wenn (Klaus dieter)Müller meint, das könnte fast ein Single-Hit sein, hat er vielleicht sogar Recht – obwohl ich sagen muss, dass mir Singles auch als Musikhörer nicht so liegen. Auch als Hörer bin ich eher der Langstreckenläufer, weil ich finde, dass sich die Persöhnlichkeit eines Musikers in einem langen Stück und auf einem Album viel besser ausdrücken kann
als auf einer Single. Aber immerhin bekommen die Fans hin und wieder ein paar Extra-Minütchen als Bonus; darauf lege ich Wert.
To be lost in Reverie
Niemand ist so verrückt, das er nicht noch einen verrückteren findet, der ihn versteht.
(Friedrich Nietzsche)

Antworten