CD 7: Ballett 2

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The Bishop
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CD 7: Ballett 2

Beitrag von The Bishop » Mo 12. Mär 2012, 16:53

Ballett 2
7-01 Klaus Schulze – Atmosphère Concrète 7:35
7-02 Klaus Schulze – Kagi's Lament 30:12
7-03 Klaus Schulze – Wolf's Ponticelli 24:18
7-04 Klaus Schulze – The Smile Of Shadows 12:06
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ambient
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Re: CD 7: Ballett 2

Beitrag von ambient » Fr 19. Apr 2013, 14:01

gewaltiger anfang mit atmosphére concréte !
gefolgt von einem wunderschönen "kagi´s lament"
die restlichen 2 tracks na ja etwas zu hektisch jedoch schön.
To be lost in Reverie
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(Friedrich Nietzsche)

ambient
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Re: CD 7: Ballett 2

Beitrag von ambient » Fr 19. Apr 2013, 19:12

Klaus Schulze Spricht über „Ballett 2“ Nr.087

Das „Ballett 2“ gehört zu den vier „Ballett“-Stücken, die ich für meine Mutter gemacht habe und die in den „Contemporary Works 1“ (10-CD-Set, 2000) herausgekommen sind. Ich habe dir ja schön erzählt, dass meine Mutter Ballett-Tänzerin war (siehe das Booklet von „Ballett 1“, CD 86 dieser Edition). Sie war auch diejenige von meinen Eltern, die es ganz toll fand, als ich sagte, das ich Musiker werden will. Mein Vater – er ist 1989 gestorben – war darüber zuerst gar nicht begeistert. Er hatte als Schriftsteller angefangen, war nach dem Zweiten Weltkrieg Journalist geworden und hatte in Berlin die „Palette“ gegründet, eine Zeitung für Politik und Kultur – er war der Inhaber und Chefredakteur. Nur wurde, als die Sowjets 1948 die Blockade über die Westsektoren verhängten, kein Zeitungspapier mehr nach Berlin geschafft. Mein Vater hatte dann zwar die Artikel seiner Journalisten, aber kein Papier mehr, auf das er sie drucken konnte – daran ist die Zeitung pleite gegangen. Vielleicht wegen dieser Erfahrung war er der Meinung, ich sollte einen „vernünftigen“ Beruf haben. Als ich ihm sagte, dass ich die Germanistik am den Nagel hänge und Musiker werde, meinte er:“ Das kannst du gerne machen, aber dann raus aus dem Haus! “Aber du kannst den Junge doch nicht rauswerfen!“ „Wieso nicht!“ sagte mein Vater. „Er ist 22 und alt genug. Wenn er Musik machen will, soll er auf eigenen Beinen stehen, ohne dicke Stütze von den Eltern. “Später, als ich von der Musik gut leben konnte, war er dann aber doch schweinestolz auf mich. Mir selber hätte er das zwar niemals gesagt, aber ich weiß es von meiner Mutter: „Wenn du nicht da bist und wir Besuch haben, spielt er den Leuten heimlich deine platten vor.“ So sind Väter.
Als eine Komposition sind die vier “Ballett“ - Stücke ziemlich land, aber so was plane ich nicht im Voraus. Die Länge eines Stücks ergibt sich immer erst, während ich es mache. Ich spiele ein Stück so lange, wie ich meine, das die Dramaturgie trägt und sich die interne Spannung hält. Wenn ich merke, dass ich mich zu wiederholen beginne und eigentlich schon alles gesagt habe, stoppe ich und fange mit dem Mixen und Arrangieren passiert bei mir in einem Schritt. Der Trick dabei – ich plaudere mal aus der Werkstatt – ist, darauf zu achten, wie laut oder leise und wie lang eine „Stimme“ ist. Wenn sie kurz ist, kann sie ein bisschen lauter sein. Wenn sie lang ist und, weil sie gut ist, auch so lang erhalten bleiben muss, mache ich sie leiser, weil sie sich sonst verschleißen würde – das wäre, als würde man einen Witz erklären. So ergibt sich beim Mixen und Arrangieren auch die Dramaturgie eines Stücks. Wenn die Spannung nachlässt, höre ich mit dem Part auf, mache ein Crossfade, fange mit einem neuen Part an und baue die Spannung wieder auf.
Dabei fliegen natürlich oft riesige Teile von dem, was ich zuerst gespielt habe, raus, und es gibt immer wieder Leute, die sagen:“ Bist du wahnsinnig, so was zu löschen! “Aber es interessiert mich nicht, wie gut das war, was ich löschen muss, damit das Stück Spannung bekommt. Ich sage dann einfach, das brauche ich nicht mehr, also weg damit! Denn ich kenne mich ja – ich bin auch ein bequemer Mensch, und wenn ich Sachen nicht sofort lösche, sondern aufhebe, verwende ich sie später noch mal für ein anderes Stück. Das will ich vermeiden, weil man es sich damit zu einfach macht, Ich will auch nicht, dass man auf der nächsten Schulze-Platte wieder einen Zipfel von der letzten hört – wenn ich eine Platte mache, fange ich immer bei Null an.
Der Bonustrack „Trance 4 Motion“ stammt aus derselben Zeit wie das „Ballett“ und war vorher auf der „Essential Extracts“ enthalten, der Promo-CD, die wir für die „Contemporary Works 1“ gemacht haben. Diese kurzen Stücke eignen sich jetzt gut als Bonustracks für die Neuveröffentlichungen der CDs, die ich gemacht habe. Wäre das „Ballett“ zuerst auf einer Vinyl-LP erschienen, die nur eine Spielzeit von 40, 45 Minuten hatte, hätten wir jetzt Platz für einen längeren Bonutrack gehabt; aber weil ich die Spielzeit von CDs schon immer ziemlich ausgereizt habe, passte hier halt nur ein kurzes zusätzliches Stück. Für die Fans ist es sicher trotzdem eine nette Zugabe, denn die „Essential Extracts“ besitzen nur ganz wenige Leute, und sie wird auch nicht wiederveröffentlich.
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