CD 2: The Crime Of Suspense

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The Bishop
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CD 2: The Crime Of Suspense

Beitrag von The Bishop » Mo 12. Mär 2012, 16:50

The Crime Of Suspense
2-01 Klaus Schulze – Good Old 4 On The Floor 24:00
2-02 Klaus Schulze – J.E.M. 17:25
2-03 Klaus Schulze – Overchill 29:2
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ambient
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Re: CD 2: The Crime Of Suspense

Beitrag von ambient » Fr 19. Apr 2013, 19:10

Klaus Schulze Spricht über „The Crime Of Suspense“ Digi Pack Nr.085

„The Crime Of Suspense“ hatte ich Anfang 2000 mit der australischen Sängerin Juli Messenger gemacht und mit Thomas Kagermann, der Flöte und Geige spielt und auch ein bisschen singt. Ich habe die beiden durch (das Kölner DJ/Musiker-Kollektiv) Solar Moon System kennen gelernt, wo Julia gesungen hat. „Kagi“ hing in der Clique auch mit drin, er hat viel mit Tom Dams, dem Solar-Moon-Sänger, gespielt. Ursprünglich kommt Thomas aus der Folk-Szene (Anm:Thomas Kagermann war Mitglied der vor allem in den 70er Jahren sehr populären deutschen Folk/Folkrock Formation Fiedel Michel und Falkenstein), aber er hat noch ganz andere Sachen drauf. Und wenn er zu meiner Musik spielt, hat es mit Folk nichts mehr zu tun – er spielt dann sehr „ethnisch“ fast schon arabisch.
Zum Thema“ Szenen“ muss ich auch mal was Grundsätzliches sagen. Die Berührungsängste, die manche Elektronik-Puristen - gegenüber anderen Musikstilen haben – so wie andere „Szenen“ gegenüber der Elektronik-, teile ich überhaupt nicht. Ich würde auch mit einem Jazzer spielen wenn es musikalisch passt. Und wenn jemand zu meiner Musik so einfühlsam spielt wie Kagi, könnte er von mir aus ansonsten auch Karnevalsmusik machen! Ich sehe das völlig wertfrei – für mich ist jede Art von Musik zunächst einmal Musik. Ich unterscheide nur zwischen guter und schlechter Musik, aber welchen Titel man darüber hängt - Folk, Jazz oder Elektronik-, ist mir egal.
Ich kann mit solchen Schubladen nichts anfangen. Ich finde, wenn jemand ein richtiger Musiker ist, reagiert er sowieso immer auf die Musik, zu der er gerade spielt, und fühlt sich rein. Das ist auch das Einzige, was ich von den Musikern verlange, die auf meinen Platten spielen – dass sie sich reinfühlen, dass die „Chemie“ stimmt. Die Bonustracks „Ruins“ und Castles“ sind zuerst auf der Promo-CD veröffentlich worden, die wir damals zum dem „Contemporary Works I“- Set(September 2000) gemacht haben und die nur die Leute bekommen haben, die diese Kiste vorbestellt hatten. Die CD ist jetzt eine Rarität, aber sie wird nicht noch mal veröffentlich, weil ich diese Exklusivität nicht verletzen will. Die Leute haben eine menge Geld für die Box bezahlt und sollen sagen können: “Du hast vielleicht die und die Schulze-Platte. Aber ich habe sie alle komplett.“ Es sind ja auch die treuesten Fans, die diese Box-Sets gekauft haben, und denen will ich nicht nachträglich etwas wegnehmen, was sie exklusiv haben. Warst du mal in Berlin im Botanischen Garten? Da steht oben über dem Eingang ein Wort von Goethe: “Ehret die Pflanzen, denn ihr lebt durch sie.“ Das kannst du übertragen. Ich habe extrem loyale Fans, die auch manchmal meine Experimente aushalten müssen. Aber das tun sie. Wenn sie eine Platte von mir gekauft haben, die ihnen nicht so supergut gefällt, sagen sie nicht, ich kaufe nie wieder eine Schulze-Platte! Sie kaufen die nächste trotzdem, weil sie sich sagen, vielleicht ist die ja wieder besser. Es ist ein Privileg, solche Fans zu haben – manche sind schon seit meiner Tangerine-Dream-Zeit dabei, fast 40 Jahre. Für mich ist das eine Verpflichtung: Man darf auf seine Fans nicht nur stolz sein, man muss sie wirklich mögen. Denn sie haben mir das Leben so ermöglicht, dass ich mich ausschließlich der Musik widmen kann – dafür muss man dankbar sein.
Nur wenn ich im Studio Musik mache, denke ich nicht an die Fans. Da mache ich die Musik erst mal so, wie ich will. Aber das finde ich auch in Ordnung denn wenn man versucht, es allen recht zu machen, kann man es gleich sein lassen – das klappt nie! Nur würde ich nie mit Absicht eine Platte machen, bei der ich von vornhinein weiß, dass sie die Fans vor den Kopf stößt. Dafür habe ich vor ihnen zu viel Respekt.
To be lost in Reverie
Niemand ist so verrückt, das er nicht noch einen verrückteren findet, der ihn versteht.
(Friedrich Nietzsche)

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