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Eternal - The 70th Birthday Edition (2017)

Verfasst: Fr 27. Apr 2018, 09:23
von spooky
ALBUM-INFO

Artist: Klaus Schulze
Titel: Eternal - The 70th Birthday Edition
Recorded: 2001, 2004, 2007 und 2013
Performed: KS

Titel:
CD 1:
1. Rhodes Romance (47:41)
2. Minority Report (13:33)
3. Mongolia (18:23)

CD 2:
1. Schrittmacher (13:35)
2. Ion/Andromeda (16:07)
3. Andromeda - The Grand Trance (41:09)

Re: Eternal - The 70th Birthday Edition (2017)

Verfasst: Fr 27. Apr 2018, 09:27
von spooky
... hier noch mal die Info's von Olaf zum Album:

CD1
1. "Rhodes Romance"
Dies ist eine leicht gekürzte, reine Solo-Version von "The Rhodes Violin", d.h. ohne Kagermanns Violine und Gesang. Für mich das beste Stück des Albums, hypnotisch, tiefgreifend, klassischer Klaus Schulze.

2. "Minority Report"
Dies ist eine Studioversion von "Breeze To Sequence" (LIVE@KLANGART) bzw. "Nothung" (RHEINGOLD) und somit aus 2000/2001.

3. "Mongolia"
Ebenfalls aus 2000/2001 ist dies eine Studioversion von "From Church To Search" von der LIVE@KLANGART mit coolem neuen Intro.

CD2
1. "Schrittmacher"
Exakt dieselbe Version wie auf dem SCHRITTMACHER - TASTY TRACKS VOL. 1-Sampler, und übrigens eine Studioversion von "Wotan" (RHEINGOLD).
Geiles Stück!

2. "Ion/Andromeda"
3. "Andromeda - The Grand Trance"
Diese beiden zusammenhängenden Stücke sind exakt der Inhalt der ION Promo-CD. Die ANDROMEDA Promo-CD bleibt damit weiterhin eine bisher
nicht wiederveröffentlichte Rarität.

Re: Eternal - The 70th Birthday Edition (2017)

Verfasst: Mo 30. Apr 2018, 11:23
von spooky
Habe mir mal erlaubt die hervorragende Rezension von unserem Form-Mitglied Michael Ambient Brückner einzufügen:

Klaus Schulze, Krautrock- und Elektronik-Pionier der ersten Stunde, veröffentlicht nun bereits seit einer gefühlten Ewigkeit einen immerwährenden Strom endlos langer Kompositionen. „Ich habe den Langzeit-Effekt drauf…“ konstatierte Schulze einst in einem seiner gewohnt launigen Interviews. „Was habe ich nicht alles für Gruppen überlebt! Alle sind sie weg, und wer sitzt immer noch am Pult? Na icke!“

Tatsächlich erreichte der „Papst der elektronischen Musik“ im vergangenen August – wenn auch mittlerweile geplagt von erheblichen gesundheitlichen Problemen - das stolze Alter von 70 Jahren. Was lag also näher, als diesen Anlass mit einer weiteren prall gefüllten Doppel-CD zu feiern, die im September 2017 unter dem Titel „Eternal - The 70th Birthday Edition“ erschien. „Eternal“, das heisst ewig - nehmen wir uns also entsprechend viel Zeit, um herauszufinden, ob das Gebotene Titel und Anlass gerecht wird…

Die Plattenfirma MIG, Verwalter von Schulzes Werk im neuen Jahrtausend, schmückte den Fest-Release mit einer Variation des Covers von „Mirage“ - nach Meinung vieler Fans eines seiner Werke für die Ewigkeit - und stellte dem Publikum auf CD 1 ein bisher unveröffentlichtes Album in Aussicht, das der Meister 2006 und 2007 eingespielt habe, sowie einige seltene, vergriffene Stücke von Samplern und Promo-Produktionen auf CD 2. So weit, so vielversprechend…

Die treuen Anhänger des sympathischen Ex-Berliners mussten allerdings bald feststellen, dass ihnen das „unveröffentlichte“ Material doch erstaunlich bekannt vorkam - was in der Gemeinde zu gewissem Unmut führte.

Schon „Rhodes Romance“, der elegische Opener, erweist sich als eine abgespeckte Variante von „The Rhodes Violin“, ein Stück, das bereits einige Jahre zuvor auf der Bonus-CD von Schulzes bislang letztem „amtlichen“ Studio-Album „Shadowlands“ zu hören war, dort allerdings durch exotische Geigen- und Gesangseinlagen von Gast Thomas Kagermann bereichert.

Dennoch - auch ohne Kagermanns Beitrag bleibt „Rhodes Romance“ eine zutiefst innerliche, tiefgründige musikalische Meditation in zwei Teilen: 
Die erste Hälfte wird allein von Schulzes schwermütigen, meist über dezenten Wolken aus Moll-Akkorden meandernden E-Piano-Schleifen bestritten, im zweiten Teil übernehmen dann sich allmählich verdichtende Sequenzer-Linien die Ausgestaltung der zyklisch wiederkehrenden Harmonien – unaufgeregt und wie schon oft zuvor in Schulzes bekannter Manier, aber dennoch mit jenem hypnotischen, weltentrückten Effekt, den seine geduldigen Hörer schätzen. Von allen Stücken auf „Eternal“ dürfte dieses noch am ehesten an seine besten Werke aus den 70ern anknüpfen. Beim genauen Blick auf die Spielzeit des Stückes (47:47 Minuten) stellt sich auch die Frage, ob es sich hier - angesichts von Schulzes Geburtsjahr (1947) und des feierlichen Anlasses - um einen Zufall handelt…

Der vom langen Opener ins Nirvana gebeamte Hörer wird dann von „Minority Report“ mit zackigen, diesmal deutlich lebhafteren Sequenzen und Dance-affinem Four-to-the-floor-Beat vorübergehend reanimiert. Augenblick: „Minority Report“ – das ist doch eine Geschichte von Philipp K. Dick, jenem paranoiden Science-Fiction-Autoren, der auch die literarische Vorlage für Ridley Scotts „Blade Runner“ geliefert hat! Sollen wir bei diesem Stück nun an Vangelis denken? 
Tatsächlich klingt die Nummer nicht allzu sehr nach Schulzes noch berühmterem Kollegen, erinnert dafür wieder um so mehr an seit Jahren Bekanntes aus eigenem Hause: Offensichtlich handelt es sich um eine Studioversion von „Breeze To Sequence“, dem Opener des Live-Albums „Live@Klangart“ (seltsamerweise bereits aus dem Jahre 2003). Eine weitere Version davon findet sich unter dem Titel „Nothung“ auf „Rheingold“ (einem Konzertmitschnitt von 2008, mit Ex-Dead Can Dance-Chanteuse Lisa Gerrard). Und wie schon bei dem vorangegangenen Stück bietet die neue Version nicht mehr, sondern weniger als die bekannten Fassungen, fehlen doch Schulzes typische Minimoog-Soli, die bei den Live-Versionen für deutlich mehr Lebendigkeit sorgen. Allenfalls der noch bessere Klang spricht für die Studio-Einspielung, die andererseit – auch das muss man zugeben – ohne den direkten Vergleich durchaus als gefälliges Beispiel für Schulzes Sequenzer-Kunst gelten kann.

Das mild-experimentelle Intro von „Mongolia“– eine rhythmische Schleife aus kantigem Kehlkopfgesang, die passenderweise klingt, als habe Huun-Huur Tu in Schulzes Studio vorbeigeschaut – kann den Schulze-Kenner nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich das dritte und letzte Stück des „bisher uneröffentlichten Studioalbums“ ebenfalls als verdächtig bekannt erweist: wiederum auf „Live@Klangart“ befindet sich mit „From Church To Search“ ein naher Verwandter davon, der den Rezensenten mehr bezaubert als die hier gebotene Fassung.

Dennoch ist „Mongolia“ keineswegs von schlechten Eltern: über entspannten Chill-Out-Beats breitet Schulze ein weiteres seiner Markenzeichen-Geflechte aus dezenten Sequenzen aus, weich in warme Akkordwolken gebettet und angereichert mit Chorklängen und pseudo-gregorianischen Vokal-Passagen, die an Enigma, den späten Mike Oldfield – oder nun tatsächlich an Vangelis denken lassen. Und diesmal gibt es sogar (endlich!) ein Moog-Solo vom Meister, erstaunlich stückdienlich und ungewohnt zurückhaltend zwar, aber durchaus von retro-futuristischer Schönheit!

Zwischenresümee: Während es insgesamt für Schulze-erfahrene Hörer eher enttäuschend ist, daß sich das Material als weniger unbekannt herausstellt als angekündigt und erhofft, so bietet CD 1 doch ansprechende, hervorragend produzierte und zum Teil sehr berührende Elektronik in der Tradition des „späten“ Schulze, wie sie der „Moog-Magier“ seit der Jahrtausendwende, angefangen mit seinen beiden „Contemporary Works“-Sets, aus dem Hut zu zaubern pflegt…

Kommen wir zu CD 2: 

„Schrittmacher“ macht seinem Namen Ehre und ordentlich (Tanz-) Schritt. Ursprünglich 2004 unter fadenscheinigem Pseudonym auf dem gleichnamigen, lange vergriffenen Sampler von Manikin Records erschienen, geht der Ehren-Rektor der Berliner Schule hier mit ganz anderer Energie zu Werke: zwar wird auch nun der Hörer in ein kunstreich ineinandergreifendes Räderwerk aus Sequenzen geworfen, das aber deutlich mehr Biss, mehr spannungsreich-dissonante Ecken und Kanten bietet als seine vergleichsweise beschaulichen Pendants von CD 1. Und auch der beinahe clubtaugliche Beat entwickelt einen intensiven Drive und hypnotischen Sog, der sich so auf dem Album bisher nicht gefunden hat: stark!

Und stark geht es (erstmal) weiter, auch wenn man sich nicht entscheiden konnte, ob das nächste Stück nun „Ion“ oder „Andromeda“ heißen soll, und ihm daher gleich beide Titel verpasst hat. Genaugenommen handelt es sich um eine ursprünglich für die Synthesizer-Firma Alesis produzierte Demo-Nummer zweier Instrumente mit eben diesen Namen. Aber was für eine Nummer! Erstklassiges Schulze-Sequenzing verzahnt sich mit zeitgemäßen Drumgrooves zu einem entspannt-dynamischen Getriebe, über dessen mitreissender Motorik sich, abgefedert von flauschigen Akkordteppichen, wundersamerweise etwas entspinnt, mit dem wir in einem Stück des altgedienten Elektronikers wohl am wenigsten gerechnet haben: inspiriertes Solieren einer Jazz-Trompete.

Tatsächlich lässt „Ion/Andromeda“ an einige der besten Stücke von Harald Zerletts Bandprojekt „Trance Groove“ denken – und das ist kein Zufall, denn Trompeter Christoph Titz, der hier seinem bekannteren Kollegen Nils Petter Molvaer durchaus Konkurrenz macht, war zeitweise Mitglied genau dieser Kölner Kombo. Peinlich nur, dass es niemand bei MIG für nötig befunden hat, den ausgezeichneten Musiker irgendwo zu erwähnen – erst durch ausgedehnte Internet-Recherche konnte Schulzes Duo-Partner bei diesem Stück vom Rezensenten identifiziert werden. Dabei ist diese Nummer – gerade dank seines Beitrags – der Höhepunkt dieses Albums! 

Kommen wir zum letzten Stück, das – seinen gewaltigen Dimensionen angemessen – nach einer Galaxie, nämlich „Andromeda“ benannt wurde. Über 41 Minuten reiner Schulze, da schlagen Fan-Herzen höher. Aber leider (Leider!) versetzt uns der Meister dieses eine Mal nicht in die im Titel versprochene „Grand Trance“; vielmehr setzt er uns einem unaufhörlichen, stumpf und stoisch vor sich hintackernden Sequenzer-Dauerstakkato aus, das vermutlich „trancig“ und hypnotisch gemeint ist, aber zumindest beim Schreiber dieser Zeilen weniger Gefühle von Ewigkeit als von langer (sehr langer) Weile aufkommen läßt.

Gut, ich gebe es zu: zehn Minuten von dieser Kost erscheinen mir noch einigermaßen unterhaltsam, aber spätestens nach fünf weiteren stellen sich erste Anzeichen einer Nervenlähmung ein, dabei haben wir gerade erst die Spitze des Klangeisbergs in Ohrenschein genommen. Da hilft es auch nicht mehr viel, wenn am Ende doch noch die typischen Akkordflächen zusammen mit wuchtigem elektronischen Schlagzeug das Sequenzengemecker ein wenig erträglicher machen – es stellt sich erst unendliche Erleichterung ein, wenn das Stück nach einer gefühlten Ewigkeit schließlich doch ausklingt. Und das ist bedauerlich, weil es die Begeisterung, die von den ersten beiden Stücke auf CD 2 ausgelöst wurde, deutlich dämpft. Glücklicherweise übrigens eher eine Ausnahme in Schulzes Oeuvre…

Wie ist nun das Gesamtpaket zu bewerten? Schwierig, findet dieser eine Hörer! 
Versuchen wir also, uns mit etwas Arithmetik zu behelfen:
Stück 1 auf der CD scheint mir 12 Punkte zu verdienen, Stück 2 gebe ich 10 und Stück 3 immerhin 11. Meine beiden Favoriten des Albums auf CD 2 belohne ich mit 13 und gar 14 Punkten. Der Galaxie des Grauens kann ich aber keinesfalls mehr als mit viel gutem Willen 7 Punkte zubilligen. Das macht im Schnitt rund 11 Punkte.
 Für erkennbare Tendenzen, treue Fans mit spitzfindigen Halbwahrheiten (unveröffentlichtes Studio-Album) zum Kauf zu bewegen, ziehe ich zwei Strafpunkte ab. Für die insgesamt schöne Gestaltung des Digipaks, die klangtechnisch tadellose Produktion und die gute Absicht, zu des Meisters Wohl und zur Freude der Fans ein umfangreiches „Geburtstagsgeschenk“ auf den Gabentisch zu legen, lege ich schließlich wieder einen Punkt obenauf, und hoffe, damit der Sache gerecht geworden zu sein.

Wo wir schon beim Thema „Hoffnung“ sind: schön wäre es, wenn wir auf das mittlerweile (überraschend wieder) angekündigte nächste reguläre Schulze-Album „Silhouettes“ keine Ewigkeit warten müssten, daß es sich als wahrlich bislang ungehört erweisen und – hoffen darf man immer – daß es nicht nur mit dem Cover an seine Glanzzeiten erinnern wird…

Quelle: http://www.babyblaue-seiten.de/album_17255.html

Re: Eternal - The 70th Birthday Edition (2017)

Verfasst: Mi 9. Mai 2018, 12:03
von spooky
Rhodes Romance läuft bei mir seit Wochen fast täglich im Auto...
Hab heute seit langer Zeit mal wieder The Rhodes Violin von der
Shadowlands gehört und muß ehrlich zugeben, dass ich das Violinenspiel
von Thomas Kagermann hier als störend empfinde...
Wie geht's Euch beim direkten Vergleich?

Re: Eternal - The 70th Birthday Edition (2017)

Verfasst: Mi 9. Mai 2018, 13:36
von The Bishop
Ich bevorzuge auch die KS-Soloversion, finde es aber schön, dass es zwei Versionen gibt.

Re: Eternal - The 70th Birthday Edition (2017)

Verfasst: Mi 9. Mai 2018, 18:05
von spooky
Denke, manchmal ist weniger mehr!
Muss da immer an die Linzer Stahlsinfonie mit den
anstrengenden Drums zu Beginn denken. Oder das
Titelstück INTER*FACE mit den Gongs, Pauken und
Congas, die wie ich finde immer sehr von der eigentlichen Schulze Musik ablenken. Auch die Trancefer fände ich persönlich ohne Percussion interessanter...