Audentity (1983)

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Album-Bewertung Audentity (1983)

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ambient
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Re: Audentity (1983)

Beitrag von ambient » Fr 19. Apr 2013, 18:56

Klaus Schulze Spricht über „Audentity“ Digi Pack Nr. 15

„Audentity“ ist Kopfmusik und mehr als nur ein Soundtrack und ein Konzept – es ist das Monument einer Musik, die zukunftsweisend ist. („Musik Szene“/Deutschland, April 1983)

Zu dieser Platte muss ich er’s mal eines sagen:“Audentity“ ist nicht, wie viele meinen, ein Konzeptalbum über Georg Trakl (expressionistischer österreichischer Dichter, 1887 – 1914). Auf Trakl bezieht sich nur das Stück „Sebastian im Traum“, das nach einen langen Gedicht von ihm benannt ist. Aber Trakl ist schon ein Lieblingsautor von mir. Er hat eine unglaublich schöne Lyrik geschrieben, auch wenn sie sehr düster ist – aber das passt ja zu meiner Musik und zu meiner Lieblingsart Moll. Nur kein Lachen aufkommen lassen, hahaha...
Literatur – nicht nur die von Trakl – war für mich immer eine wichtige Inspiration. Manchmal sind es auch Filme, aber meistens, aber meistens doch Bücher, weil für mich das, was zwischen den Zeilen steht, die Fantasie anregt. Bei Filmen ist immer schon alles im Bild dargestellt, und man wird auf eine bestimmte Linie festgenagelt, was der eigenen Fantasie wenig Raum lässt – außer vielleicht bei den Filmen von David Lynch. Aber hast du die letzten Folgen von „Twin Peaks“ kapiert ! du auch nicht ?
Es sind aber nicht nur Bücher oder Filme, die mich inspirieren, sondern oft auch ganz alltägliche Dinge. Darum fahre ich so gern mit der Eisenbahn.
Wenn du im Zug sitzt und im Halbdunkel durch eine Landschaft – nicht durch Städte ! – gleitest, erlebst du immer diese kleinen Momente, die dich inspirieren und die sich später in der Musik niederschlagen. Das passiert unbewusst, aber es passiert, wenn man nur ein bisschen sensibel ist.
Außer Rainer Bloss (Keyboards) und Wolfgang Tiebold (Cello) hat auf „Audentity“ auch Michael Shrieve gespielt, der Santana-Schlagzeuger. Kennen gelernt habe ich Michael 1976 bei dem Projekt Go, was eigentlich eine Supergroup werden sollte – mit Stomu Yamash´ta, Steve Winwood und Al Di Meola. Da war Michael auch dabei. Ich habe mich sofort supergut mit ihm verstanden, genauso wie bei Phil Manzanera von Roxy Music, der bei dem Go-Konzert in London (29. Mai 1976) mit dabei war. Nur haben wir mit Go immer endlos üben müssen, ich bin fast verrückt geworden ! Aber wenn wir Pause hatten, haben wir drei - Michael, Phil und ich - gejammt, oder wir sind in eine Spielbank gegangen und haben Roulette gespielt. Da war dann auch der Yamash´ta dabei, er war richtig spielsüchtig. Er hatte einen weißen Rolls Royce. An einem Abend hat er den Rolls verspielt, am nächsten Tag hat er gewonnen und ihn wieder ausgelößt. Sein Manager war immer stinksauer. Er sagte zu uns: “Leiht ihm keinen Pfennig ! Er geht sofort los und verzockt es. Und ich muss es euch nachher zurückzahlen !“
Nach Go habe ich mit Michael weiter Kontakt gehalten. Er hat mich öfter hier im Studio in Hambühren besucht, hat auf meiner Wahnfried Platte „Tonwelle“ und auf „Trancefer“ (beide Alben:1981) gespielt – und eben auch auf „Audentity“. Ich hatte hier damals noch ein leer stehendes Haus, in dem Michael mit einer jungen Dame aus der nächstgrößeren Ortschaft Celle gewohnt hat. Diese „companionship“, wie er es nannte, war ihm immer ganz wichtig. Ich erinnere mich auch noch, wie Michael am Flughafen Hannover ankam: „Oh, was für ein reiches Land ! Sogar die Taxifahrer haben alle einen Mercedes.“
Dass wir bei diesem Re-release von „Audentity“ die Reihenfolge der Stücke geändert haben, hat keinen musikalischen Grund, nur einen technischen. Wenn wir die Stücke in der ursprünglichen Reihenfolge auf die CDs verteilt hätten, wäre auf der zweiten CD nicht genug Platz für den langen Bonustrack gewesen. Darum haben wir die Stücke so umgestellt dass die 58 Minuten von „Gem“ auf die zweite CD passten. Das Stück ist zur selben Zeit wie anderen Stücke entstanden. Es ist der Original Soundtrack zu „Next Of Kin“ – ein Horrorstreifen (Australien 1983, Regie: Tony Williams), darum ist die Musik so Düster, und darum sind die Sounds so aggressiv. Der Regisseur wollte allerdings so viele Musik im fertigen Film eine ganz andere war. Aber weil die Original-Tracks noch erhalten sind, haben wir sie an „Audentity“ drangeklemmt.
To be lost in Reverie
Niemand ist so verrückt, das er nicht noch einen verrückteren findet, der ihn versteht.
(Friedrich Nietzsche)

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